Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl

Zukunft geht nur dezentral, auf dem Land

Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl

Darüber sprechen wir:

Wir bauen heute Häuser und Städte, die immer naturfremder, immer schadstoffbelasteter sind. Die Böden werden verdichtet, z. T. kontaminiert, mit Kies oder Schotter zugeschüttet, die Luft ist feinstaub- und abgasbelastet und die Gewässer sind voller Chemikalien, fließen träge und eher braun statt blau, klar und lebendig. Das hat im komplexen Wirkungsgefüge der Natur sicher viele Ursachen. Eine davon, eine ganz entscheidende, ist ganz sicher die Konzentration von Menschen in Städten, die damit verbundene übermäßige Versieglung, die Zentralisierung der technischen Ver- und Entsorgung von Wasser, Verpackungen, Bauabfällen und allen Reststoffen, die dann mal mehr oder mal weniger „aufbereitet“ an zentralen „Übergabeorten“ wie Deponien und Kläranlagen der Natur überlassen werden. In der Hoffnung – ja eigentlich worauf? Glauben wir kollektiv tatsächlich, dass die Bio- und Atmosphäre in der Lage sind, alle Chemie, alle technisch aufbereiteten Stoffe, die seit der industriellen Revolution in die Natur eingetragen werden, abzubauen? Und zwar in so einem Tempo, wie wir sie nach Herstellungs- und Nutzungsphase ihr übergeben? Da bekannt ist, dass z. B. Kunststoffe eine Halbwertszeit von 500 bis 800 Jahre haben und u. a. Pestizide, Schwermetalle, Dioxine, Mikroplastik und … mittlerweile überall in der Luft, in Böden, im Sand an Stränden, im Wasser … zu finden sind, müssen wir handeln. Oder können wir uns nicht vorstellen, dass der ständig weiter eingebrachte Zivilisationsmüll unseren Lebensraum so schädigt und vermüllt, dass wir darin nicht überlebensfähig sind? Sind wir so dumm, dass wir wirklich glauben, dass so dicht gedrängt, so renaturiert, wie wir meinen gut zu leben, dass dies eine Zukunft hat, dass dieser einzigartige, für uns von Natur aus gedachte Lebensraum, wie wir ihn kennen und brauchen, weiter menschengerecht uns erhalten bleibt? Sind wir so dumm, dass wir glauben, auf nichts verzichten zu müssen, weiter so machen können wie bisher, nichts ändern und dennoch mit einer intakten Natur leben wollen? Sind wir so dumm, dass wir immer noch in Gärten Baumschnitt verbrennen und Kies in Vorgärten schütten, weil es schon immer so gemacht wurde oder dies pflegeleicht zu sein scheint? Es besteht dringender Handlungsbedarf. Doch was ist zu tun? Prof. Dr. Ralf Otterpohl hat dazu geforscht und zeigt uns auf, wie wir, jeder einzelne Mensch dazu beitragen können, dass die Böden wieder lebendig werden und somit sich das Klima wieder harmonisiert, die regionalen wie globalen Wasserkreisläufe wieder ausgeglichen funktionieren und wir gesund (über-)leben können. Er sprüht nur so von Tatendrang, der ansteckend wirkt. Was vielleicht den einen oder anderen verwundert: Er fordert uns auf, zu träumen, zu visionieren, trotz Handlungsbedarf. Er weiß wovon er spricht, denn er hat viele Projekte begleitet, die mit einem Traum von einem besseren, friedvollen Leben begannen. Und er hat seine, durchaus realistische Vision in seinem Buch „Das Neue Dorf“ voller praktischer Tipps aufgeschrieben.

BIOGRAFIE

Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl

Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl
Ralf Otterpohl, geb. 1958
- Maurerlehre
- Bauingenieurwesen-Studium an der RWTH Aachen,
- Assistententätigkeit am Institut für Siedlungswasserwirtschaft
- Promotion über die dynamische Kläranlagensimulation und Tätigkeit an der RWTH Aachen
- Gründung des Ingenieurbüros Otterpohl Wasserkonzepte in Lübeck, entwickelte und realisierte das teilstromorientierte Vakuum-Biogas System als neues Abwasserkonzept in der Neubausiedlung 'Flintenbreite' in Lübeck. Zusätzlich gab es Entwicklungen für Low-Cost Systeme, die in afrikanischen Ländern implementiert wurden.
Seit 1998 ist Univ. Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl Leiter des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Technischen Universität Hamburg (TUHH). Schwerpunkt der Forschungstätigkeit sind innovative, meist teilstromorientierte Abwasserkonzepte mit dem Ziel der Produktion von Volldünger und Bodensubstraten. Dabei werden sowohl einfache Low-Tech Systeme als auch dezentrale High-Tech-Systeme im Praxisbetrieb untersucht. Ein weiteres Forschungsinteresse von Prof. Otterpohl ist die Bodenverbesserung im Rahmen von Ländlicher Entwicklung in verschiedenen Klimaten im Zusammenwirken mit Rainwater Harvesting in Wassereinzugsgebieten. Daraus hat sich die intensive Arbeit an der Entwicklung von Konzepten der Entwicklung „Neues Dorf“ bzw. Gartenringdorf als Alternative zu industrieller Landwirtschaft zur dauerhaften Sicherung der Wasser- und Lebensmittelversorgung der Städte ergeben.
Arbeitsgebiete Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz
• Teilstromorientierte Abwassersysteme mit Produktion von Volldünger und BodensubstratenModellierung von Abwasserbehandlungsanlagen
• Low-Tech Sanitation / Terra Preta Sanitation
• Bodenverbesserung in Wassereinzugsgebieten und Rainwater Harvesting
• Ländliche Entwicklung, Konzept Neues Dorf / Gartenringdörfer

https://www.tuhh.de/aww/mitarbeiter/professoren/ralf-otterpohl.html

Hier ein zum Interview passender Vortrag von Ralf Otterpohl bei YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=RJ7RVCENP7o
https://www.oekom-crowd.de/projekte/das-neue-dorf/
http://nachhaltiges-allgaeu.de/
Forschungsprojekte und –themen:
- Agroforst-Pilotprojekt Nahrungsproduktion im Agroforst (NAAG)
- Einflüsse einer bodenaufbauenden Landwirtschaft auf Dynamiken im Wasser- und Nährstoffkreislauf Projektleiter: Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl
- Lebensmittel Sicherheit und nachhaltige ländliche Entwicklung
- Ein Decision Support System-Modell für dezentrales Trinkwasser Lösungen in Bengaluru (Südindien)
-Restaurierung eutropher Gewässer
- Sanitärtechnik für zukünftige Generationen(NAFASAN)
- Die Epidemiologie protozoischer Parasiten: Entamoeba, Giardia und Cryptosporidium entlang der Flüsse Elbe und Rhein – The Wastewater Nexus
- Abwassermanagement und –nutzung

Auch passend zum Thema: Die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser hat 2020 den dritten Teil ihrer Übersichtsstudie zum Zustand des deutschen Grund- und Trinkwassers veröffentlicht. Grundaussage darin:
das Leitungswasser im städtischen Raum weist vor allem industrielle und pharmazeutische Rückstände auf. Es geht u. a. um die Kontamination des Wassers mit Nitrat und Pflanzenschutzmitteln und es werden die Auswirkungen auf Leitungs‑, Tafel- und Mineralwasser beleuchtet. Eines der Ergebnisse: Das Leitungswasser vieler deutscher Großstädte enthält in zunehmendem Umfang Rückstände von Arzneimitteln und Industriechemikalien sowie Süßstoffe und Pflanzenschutzmittel. https://bio-mineralwasser.de/weltumwelttag-qualitaetsgemeinschaft-bio-mineralwasser-veroeffentlicht-schwarzbuch-wasser-teil-iii/

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1 Kommentar

  • Dieser Beitrag zeigt eine schöne, neue Welt! jedoch:
    wie sind die derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen?
    Darf eine Pflanzenkläranlage gebaut werden?
    Dürfen eigene Stromerzeuger tätig werden und selbst verbrauchen? Oder sogar Strom verkaufen?
    Wer hilft da weiter?

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